Grundwissen Gin: Darum könnte Gin auch in der Apotheke stehen

Von Jasmine Barendt

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Quelle: Celina de Cuveland / Gin Magazin

Was ist eigentlich Gin? Ist Gin ein altes oder ein modernes Getränk? Und warum soll Gin trinken nicht nur gesund sein, sondern auch schön machen? Der Genuss.Guru verrät dir die Antworten und zeigt dir, welche Gin-Sorten du einfach kennen musst.

Was ist eigentlich Gin?

Klar wie Wasser, lecker, erfrischend und gemeinsam mit Tonic Water leicht bitter: So kennen wir den Gin. Doch was ist Gin eigentlich? Ein alkoholisches Getränk natürlich, ein Genussmittel und mittlerweile ein Lifestyle-Drink. In ganz Europa ist der Gin rechtlich gleich definiert. Das Europäische Parlament machte sich 2008 Gedanken zu der Frage, was Gin eigentlich ist. Das Ergebnis ist die – Achtung, jetzt wird es langatmig – „Verordnung zur Begriffsbestimmung, Bezeichnung, Aufmachung und Etikettierung von Spirituosen sowie zum Schutz geografischer Angaben für Spirituosen“ (Verordnung (EG) Nr. 110 / 2008). Ganz klar wurde festgelegt, wann Gin auch wirklich Gin ist. Hierbei wurde Gin wie folgt definiert:

  • Gin darf aus jedem natürlichem Alkohol hergestellt werden
  • Es dürfen nur natürliche Aromen (Botanicals) zugesetzt werden
  • Gin muss in der EU einen vorherrschenden Wacholdergeschmack aufweisen
  • Der Alkoholgehalt muss bei mindestens 37,5 % Alkohol liegen

Die Antwort lautet also: Gin ist natürlicher Alkohol. Geschmacklich vielseitig mit natürlichen Aromen und einer starken Wacholdernote. Nicht zu vergessen sind dabei die starken Umdrehungen von mindestens 37,5 Prozent.

Vom Heilmittel zum Genussmittel – Die Geschichte des Gins

Die EU-Verordnung von 2008 erweckt den Eindruck, dass Gin ein neuartiges Getränk ist. Gin ist jedoch alte Medizin in neuem Gewand. Die Heilwirkung von Wacholder ist schon lange bekannt. Als „Urvater“ des Gins gilt der niederländische Arzt Franciscus Sylvius (1614-1672). Er erfand den Wacholderschnaps, auch bekannt als Genever. Dieser diente als Mittel gegen Magenbeschwerden. Seine Patienten schätzten das Genussmittel allerdings eher wegen seines Geschmackes. Heutzutage wird dem Gin mehr als nur die Linderung von Blähungen und Völlegefühl zugeschrieben. Wenig Zucker, viele natürliche Aromen und die magische Kraft der Wacholderbeere sind die Ursache. Hier die heilende Wirkung des Gins im Überblick:

  • Entgiftet
  • Hilft bei Heuschnupfen
  • Soll Falten mindern
  • Stärkt das Immunsystem
  • Regt die Verdauung an

Gin und England – Eine Liebesgeschichte

Gin ist also altmodisch und gleichzeitig im Trend. Doch warum hat Gin immer einen englischen Beigeschmack und beim Gedanken an Gin steigen einem der Geruch von Leder, Pfeifen und Zigarren in die Nase? Der Bezug zu England hängt mit dem spanisch-holländischen Krieg (1568-1648) zusammen. Die Engländer unterstützten die Spanier gegen die Niederländer und lernten dabei den Genever kennen.

Ginsorten so weit das Auge reicht
Gin kommt in vielen verschiedenen Sorten

Nach der Thronbesteigung von William III. von Oranien-Nassau, im Jahre 1689 wurde Genever in Großbritannien gesellschaftsfähig. Der Genever wurde in Gin umbenannt. Er kostete teilweise weniger als Bier und entwickelte er sich zum beliebtesten Getränk auf den Inseln. Kein Wunder, dass die Engländer sich in den Gin verliebten.

Diese Gin-Sorten sollte jeder kennen!

Gin Sorten gibt es wie Sand am Meer. Neben des in der EU-Verordnung definierten Gins gibt es eine Vielzahl weiterer Destillate, welche die Bezeichnung Gin tragen. Bei der Frage, ob zu Recht oder Unrecht, scheiden sich oftmals die Geister. Viele der Gin-Sorten haben sich auch ohne offiziellen Schutz auf dem Markt fest etabliert.

1. London Dry Gin, eine der ältesten Sorten

London Dry Gin unterliegt sowohl bei der Destillation als auch bei der Verwendung der Zutaten strengen Vorschriften. Grundsätzlich muss der London Gin mehrfach destilliert sein. Ausgangsstoff sind Getreide oder Melasse. Der Zusatz von Farbstoffen und Zucker ist nicht gestattet. Werden natürliche Zutaten zur Aromatisierung zugesetzt, muss dies gleichzeitig geschehen. Der Alkoholgehalt von London Gin beträgt mindestens 37,5 Vol. %.

London Dry Gin, eine der ältesten Sorten
Gehört zu den bekanntesten Gin-Marken: Gordons London Dry Gin | Quelle: pixabay

2. Destilled Gin, ein Naturprodukt mit Geschmacksvariationen

Zwischen dem London Dry Gin und Destilled Gin besteht eine gewisse Ähnlichkeit. Auch der Destilled Gin wird nur mit natürlichen und naturähnlichen Aromastoffen und Gewürzen destilliert. Die Wacholdernote muss jedoch vorherrschen. Allerdings dürfen Botanicals zu jedem beliebigen Zeitpunkt zugesetzt werden. Zudem sind Farb- und Aromastoffe erlaubt. Der Mindestalkoholgehalt liegt beim Destilled Gin bei mindestens 37,5 Vol. %.

3. Sloe Gin – kein Gin, sondern laut EU ein Likör

Der geneigte Gin-Liebhaber würde der EU-Definition von Sloe Gin sicherlich heftig widersprechen. Laut Verordnung ist Sloe Gin nämlich kein Gin, weil es nicht destilliert wird und nicht den Mindestalkoholwert von 37,5 Vol. % erreicht. Die Herstellung erfolgt mittels Einlegen von Schlehen und Zucker in destillierten Gin. Der Geschmack des trockenen Sloe Gin wirkt leicht süßlich und erinnert an Bittermandeln.

Verschiedene Ginsorten zur Auswahl
Dry Gin, Destilled Gin, Wacholderschnapps: Die Auswahl ist groß | Quelle: pixabay

4. New Western Dry Gin: dominanter Wacholder Geschmack? Ade!

Gin-Liebhabern kommt der Genuss von New Western Dry Gin manchmal etwas merkwürdig vor. Den typischen Gin-Geschmack ersetzen verschiedene Aromen, wie beispielsweise Rosendüfte beim Hendricks Gin. Die Whisky-Destillerie William Grant & Sons fügt ihren Gin-Variationen Kamillenextrakt, Gurken und Rosenblätter bei. Von New-Western-Pioniers House Spirits stammt die Variante mit Orangenschalen ergänzt durch Kardamomaroma, Lavendel und Anis. Wenn auch für manche Gin-Trinker etwas ungewöhnlich, der New Western Dry Gin bildet eine perfekte Grundlage für Cocktails und Mixvariationen.

5. Old Tom Gin, eine der ursprünglichsten Formen des Wacholdergetränks

Bei den ersten Gin-Sorten handelte es sich um bitteren, fast nicht trinkbaren Fusel. Um sie genießbar zu machen, fügten die Wirte dem Schnaps Zucker bei. Dadurch entwickelte sich der Old Tom in den Londoner Cocktail Bars zu einem beliebten Getränk. Als die Dry Gins mit ihrem deutlich besseren Geschmack auf den Markt kamen, geriet der Old Tom in Vergessenheit. Inzwischen erlebt diese bittere Variante des Gins eine Art Renaissance. 

6. Cordial Gin, die Neuentdeckung des gesüßten Old Tom

Dass sich Gin steigender Beliebtheit erfreut, führte zu wachsendem Interesse an der Geschichte und der (Wieder-)Entdeckung alter Sorten. Der Cordial beziehungsweise Fine Cordial Gin war der Nachfolger des Old Tom. Da sich die Kunden an den mit Zucker versetzten Old Tom gewöhnt hatten, fügten die Destillen den Cordial Gin ebenfalls Zucker bei. Er schmeckt sehr süß und ist damit süffig. 

Gin weltweit
Gin wird auf der ganzen Welt gerne getrunken | Quelle: pixabay

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